An Individual Psychology of Novelty-Seeking, Creativity and Innovation

Sophie Schweizer

Data Archiving and Networked Services (DANS) · 2000 · 79 citations · 18 references

Full text

Open access

Concepts

Abstract

textabstractENGLISH ABSTRACT:\nWhat does it take to generate something new? The desire to seek something\nnew, the satisfaction of finding something, sharing these findings with\nothers who also recognize them as new - these are key ingredients of\ngenerating a novelty. Part One of this book proposes a model of the\nnovelty generation process based on an analysis of psychological theories,\nmost importantly drawing from neuropsychology and social psychology.\nThis Novelty Generation Model (NGM) clearly distinguishes three\ncomponents: novelty-seeking, creativity and innovative performance. It is\nmeant to provide a basis for better understanding the links between these\nparticular components and identifying what interferes with and what\nfacilitates each of them. Practical advice is also generated on this basis that\nis relevant not only for the novelty-seekers themselves, but also for their\nsocial environment that may want to support them. Highly creative\nprofessionals are often only loosely affiliated with organizations, while much\nof the current scientific literature on creativity and innovation focuses on\nindividuals in tighter employee relationships and teams in organizations.\nThis book presents an individual work psychology for those settings\nwhere creative professionals (be it artists, scientists or inventors) see\norganizations (e.g. publishers or universities) more as service-providers to\ntheir own work. In such comparatively free professional settings other\nsupport issues seem to become more relevant: For instance grants and\nawards conferred to individuals. These phenomena that have not yet\nbeen paid attention to in the psychological literature on creativity and\ninnovation, are given a place in this individual work psychology. Many\nquestions may be asked about grants and awards, whether they actually\nsupport innovation is an important one. Part Two, the empirical part of\nthis book, among others presents a large-scale longitudinal study that\ntests some more specific hypotheses on the relationship between the\nindividual’s innovative performance and winning awards and grants. The\nstudy includes 1348 writers and poets that have received grants and/or\nawards in the German-speaking publishing area.\n\nDEUTSCHE ZUSAMMENFASSUNG\nEINE INDIVIDUALPSYCHOLOGIE ZU\nEXPLORATIONSVERHALTEN BEI NEUHEIT,\nKREATIVITÄT UND INNOVATION\n‚Novelty-Seeking’ ist ein neuropsychologisches und persönlichkeitstheoretisch\nes Konstrukt, das ins Deutsche übersetzt wörtlich ‚neu-gier’ bedeutet und das\nSuchen nach stets neuen Stimuli beschreibt. Novelty-Seeking nach C.R.Cloninger,\nein über das dopaminerge System vermitteltes Verhalten (unterschiedliche\ndopaminerge Rezeptoraktivität), wurde zwar in der medizinischen Literatur\nin Deutschland verwendet, hat jedoch in der psychologischen Literatur über\nKreativität und Innovation überraschenderweise noch nicht seinen festen Platz\neingenommen. Ziel der vorliegenden Dissertation war es, den Wert dieses\nKonstrukts im psychologischen Kontext aufzuzeigen, einen Überblick über\ndie existierende Kreativitäts- und Innovationsliteratur zu geben und dabei\nauf Schwächen reagierend ein neues Modell vorzulegen, das den Prozess der\nNeuheits-Generierung (Novelty Generation Process) beschreibt. Das Novelty\nGeneration Model (NGM) unterscheidet drei Komponenten: Novelty-seeking,\nKreativität und innovative Leistung. Als theoretischer Hintergrund dienen vor\nallem drei psychologische Teildisziplinen: Neuropsychologie, Sozialpsychologie\nund Arbeitspsychologie. Hoch kreative Menschen bevorzugen oft eine relativ\nfreie Arbeitsituation, man denke zum Beispiel an Künstler, Wissenschaftler\noder Erfi nder. In der psychologischen Literatur über Kreativität und Innovation\nwurden jedoch vor allem Arbeitssituationen erforscht, in denen das Individuum\nin Organisationen eingebunden ist und dort oft als Teil von Arbeitsgruppen\nfungiert. Von einer Individualpsychologie ausgehend wurden in dieser\nDissertation deshalb völlig andere Forschungsschwerpunkte gelegt. So ist das\nGewinnen von Preisen und Stipendien beispielsweise weniger ein Thema in\nder Kreativitätsforschung über Gruppen und Teamarbeit als ein das Individuum\nbetreffendes. Die Vernachlässigung dieses Themas in der psychologischen Literatur\nist schwerwiegend, wenn man davon ausgeht, dass Preise und Stipendien die\nInstrumente sind, mit denen eine Gesellschaft par excellence kreative Individuen\nzu unterstützen vermag. So wird die Dissertation in zwei Teilen präsentiert,\nin denen die Ergebnisse einer allgemeineren theoretischen Analyse über die\nNeuheits-Generierung (Teil I) sowie einer spezifi scheren empirischen Studie zu\nPreisen und Stipendien in diesem Kontext (Teil II) nicht nur als Ausgangspunkt\ndienen sollen für weitere Forschungen im Bereich von Arbeitssituationen, in\ndenen das Individuum relativ unabhängig von Organisationen den Prozess der\nNeuheits-Generierung durchläuft, sondern auch als praktischer Ratgeber.\nIn Teil I dieser Dissertation wird zunächst das Problem erarbeitet, dass\nExperten sich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis oft nicht einig sind,\nwo genau der konzeptionelle Unterschied zwischen Kreativität und Innovation\nliegt (vor allem im englischsprachigen Gebrauch der Konzepte). In dieser Arbeit\nwerden auf neuro-, persönlichkeits- und sozialpsychologischer Basis Defi nitionen\nangeboten, die die folgenden Komponenten der Neuheits-Generierung deutlich\nunterscheiden: Novelty-Seeking, wie oben beschrieben, dann Kreativität (die sich\nhier zusammensetzt aus dem Prozess des ‚Novelty-Finding’ (Finden des Neuen)\nund ‚Novelty-Producing’ (dem Umformen des Gefundenen in ein für andere\nwahrnehmbares Produkt), und schließlich der Innovativen Leistung, hier defi niert\nals Resultat des Exponierens eines Produktes an andere Individuen, die den Aspekt\ndes Neuen in diesem Produkt anhand ihrer Expertise zu beurteilen vermögen.\nEtwas Neues, das nicht als solches beurteilt wurde, kann nicht als Innovation\nanerkannt werden. Dieser zentrale Unterschied zwischen etwas ‚Kreativem’ und\netwas ‚Innovativem’ wurde in den bisherigen Studien oft nicht gemacht, was\nnicht selten zu schweren konzeptionellen und methodologischen Konsequenzen\nfür die Brauchbarkeit der Forschungsergebnisse führte. Mit der theoretischen\nDreiteilung der Neuheits-Generierung wird es möglich, sowohl in der Forschung\nals auch in der Praxis die Persönlichkeits- sowie Motivationsstrukturen und\nauch die geeigneten sozialen Stimuli zu identifi zieren, die für die jeweiligen\nKomponenten eine optimale Wirkung erzielen. Dieser theoretische Teil wird mit\nBeispielen aus Kunst und Wissenschaft illustriert.\nTeil II der gegenwärtigen Dissertation befasst sich empirisch mit der\nÜberprüfung von spezifi scheren Hypothesen über die Wirkung von Preisen\nund Stipendien im Kontext der Neuheits-Generierung, die in Teil I erarbeitet\nwurden. Diese Hypothesen richten sich auf nur eine der Komponenten des\nNeuheits-Generierungs-Models, um dieses Forschungsprojekt im Rahmen\neiner Dissertation zu halten. Untersuchungen über andere Komponenten\n(unter anderem neuropsychologische Aspekte zwischen Novelty-Seeking und\nKreativität) sind in der post-doktoralen Planung. Ziel dieser empirischen Studie\nwar es, einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Erhalt von Preisen und\nStipendien einerseits und innovativer Leistung anderseits herzustellen. Anhand\neiner Stichprobe von 1300 deutsch-sprachigen Schriftstellern (ansässig in\nDeutschland, Österreich und der Schweiz), die im Zeitraum zwischen 1995 und\n2001 Preise und Stipendien gewonnen haben, wurde untersucht, wie verschiedene\nZuwendungen (Ehrenpreise, Stimulierungspreise und Stipendien mit jeweils\nverschiedenen fi nanziellem Gewicht und Prestige) sich auf die innovative\nLeistung der Gewinner auswirkten und umgekehrt. Eine der wichtigsten Fragen\nwar dabei, ob solche Fördersysteme die innovative Leistung ihrer Empfänger\nwirklich unterstützen oder eher untergraben, und welche Rolle in diesem\nKontext Stereotypen im Bezug auf das Geschlecht und die professionelle Reife\nder Individuen spielen.\nDaten über die innovative Leistung wurden auf der Basis von Beurteilungen\neiner Jury von 41 Top Literaturverlagschefs (oder ihren Vertretern) erhoben, die\neine Rangliste von deutschsprachigen Literaturverlagen erstellten. So wurde die\nBewegung der Schriftsteller und Dichter mit ihren Veröffentlichungen innerhalb\ndieser Rangliste über den Zeitraum 1993-2001 gemessen. Die Auswertung der\nDaten über mehr als 3000 Preis- und Stipendienvergaben erfolgte hauptsächlich\nin einem longitudinalen Ansatz mittels hierarchischen sowie logistischen\nRegressionsanalysen. Hier erschienen Stipendien als geeignete Stimulatoren der\nindividuellen innovativen Leistung. Im Gegensatz dazu waren Ehrenpreise die\nFolge von innovativer Leistung. Stimulierungspreise, eine dritte Kategorie, in der\nsich Charakteristika des Stipendiums mit denen des Ehrenpreises vermischten,\nerwiesen sich zur Stimulation wie zur Ehrung von innovativer Leistung als\nungeeignet. Die wichtigsten Resultate dieser Studie zeigen, dass weibliche\nund männliche Schriftsteller und Dichter sich im Rahmen dieser Förder- und\nEhrenmaßnahmen deutlich unterschieden. Zuallererst war festzustellen, dass\nnur 385 Frauen unter den Gewinnern / Geförderten waren, im Gegensatz zu\n943 Männern (dies entspricht auch in etwa dem Verhältnis von männlichen und\nweiblichen Autoren in Literaturverlagen im Allgemeinen). Im Vergleich waren\nMänner diejenigen die Ehrenpreise erhielten, während Frauen bei der Zuteilung\nvon Stipendien verhältnismäßig stark vertreten waren. Nichtsdestotrotz bekamen\nMänner die größeren Stipendien. Während Männer nach Erhalt eines Stipendiums\neinen deutlichen Anstieg in der innovativen Leistung verzeichneten, konnte man\nbei Stipendiatinnen ein klares Abfallen der innovativen Leistung feststellen. Die\nvorliegenden Ergebnisse werden vor dem Hintergrund

References

18